Der Domvogt von Braunschweig steht in der Glocke des Doms, sein Kopf ist verborgen. Davor kniet der Kameramann und dreht

Domvogt kopflos

Bei unseren Drehs kommt es oft zu witzigen Situationen. Mit dem Smartphone mache ich dann zack, zack ein Foto. Früher habe ich an so etwas gar nicht gedacht.

Zum Beispiel als ich vor Jahren im Thüringer Wald flach auf dem Bauch liegend ein Interview geführt habe. Also, damit das klar ist, ich lag schräg auf einem kleinen Abhang, weil ich nur so auf Augenhöhe mit der Fernsehkamera war. Vor der Linse: ein toter Hase auf dem mit Tannennadeln bedeckten Boden, dahinter der Jäger.

Oder als wir in Berlin-Mitte ein Trüppchen Diplomatengattinnen beim Sightseeing-Joggen begleitet haben. Der Kameramann saß in einer Fahrrad-Rikscha und wurde gefahren. Ich strampelte auf meinem Fahrrad nebenher. Foto? Fehlanzeige.

Beim Dreh im Dom zu Braunschweig wünschte ich mir, im Glockenturm drehen zu dürfen. Das ist das Vergnügliche an meinem Job: es öffnen sich verschlossene Türen zu ganz besonderen Orten. In diesem Fall wurde es nach 127 Stufen Treppensteigen richtig lustig. Denn der kopflose Küster und davor der Kameramann in der Hocke, das hatte was. Und diesmal habe ich es mit einem Foto dokumentiert.

Mehr vom Domvogt, wie sich der Küster auf Wunsch von Heinrich dem Löwen nennt, gibt es am nächsten Sonntag im ZDF. Sein Arbeitsplatz ist das im romanischen Stil erbaute Gotteshaus inmitten der im 2. Weltkrieg zerstörten Altstadt. Der Herzog von Braunschweig ließ den Dom Ende des 13. Jahrhunderts erbauen, nach seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land.

“Sonntags – TV fürs Leben”, 6.12.2015, 9 Uhr, ZDF

ZDF-Mediathek: Menschen und ihre Kirchen – Das Portrait Domvogt ab Minute 3:01