Mann steht vor dem Brandenburger Tor, neben ihm die Kamera

Israeli in Berlin

Oren Dror: er kam durch Zufall nach Berlin und ist geblieben. Einer von geschätzt 30.000 Israelis, die lieber hier leben als in Tel Aviv, Haifa oder Jerusalem. Denen ihre Heimat geografisch, aber auch emotional zu klein ist, und die ihr Glück ausgerechnet da suchen, wo ihre Vorfahren von den Nazis vertrieben oder ermordet wurden. Ein Phänomen, zu dem es bereits wissenschaftliche Studien gibt.

Nun sollte auch ich diese Geschichte erzählen. Gesucht war einer von den ganz jungen, gerade mal drei Jahre in Berlin, davon gibt es viele, die sich in der Kunst- oder Techszene tummeln. Bedingung war: die Person sollte gut deutsch sprechen, denn die Erfahrung mit den ZDF-Zuschauern ist, die schalten weg, wenn Protagonisten eine fremde Sprache sprechen und untertitelt werden, oder wenn beim Interview eine deutsche Stimme darüber gelegt wird.

Tja, Pech gehabt. Ich fand keinen. Bei meiner Suche landete ich immer wieder in Sackgassen. Interessante Persönlichkeiten, aber sorry, kein Deutsch. Auf meine Anfrage in der Start Up-Community, die der Pressesprecher via Social Media verbreitete, meldete sich keiner. Ohne eine Wort Deutsch kommst du in Berlin prima zu Rande, im Job wird eh nur englisch gesprochen, im Restaurant, beim Yoga, im Freundeskreis auch.

Dann bekam ich den Tipp: Frag Oren von der Brezelbar (Danke Mareice!). Sein Deutsch ist perfekt und seine Geschichte interessant. Er kam zur Jahrtausendwende durch Zufall nach Berlin, ging aus lauter Langeweile in die Sprachschule und verdiente sein erstes Geld als mobiler Brezelverkäufer. Jetzt hat er seine kleine Brezelbar in Kreuzberg und ein großes Catering-Business für Laugengebäck als Pausensnack bei Tagungen, Konferenzen und Hochzeiten.

Mit Oren drehten wir an einem mediterran-heißen Tag und fuhren durch halb Berlin. Er führte uns in die Synagoge und zum Holocaust-Mahnmal und erzählte von Opa Heinz, der durch die Flucht nach Shanghai sein Leben retten konnte, während viele seiner Angehörigen in Ausschwitz starben.

Ich habe im Text des Portraits Heinz zu Hans gemacht, Entschuldigung, lieber Oren. Aber alles andere im Beitrag stimmt.

“Sonntags – TV fürs Leben”,  17.6.2018, 9 Uhr, ZDF

„Menschen und ihre Lieblingsorte“ ab Sonntag in der ZDF-Mediathek.