Plakatwand in der PopmusikAustellung im Museum für Kommunikation

Schrille Scheiben

Peter Alexander zählt zur Popmusik? Ja, doch, „Popmusik ist imstande … ein friedliches Nebeneinander von Schlager, Pop und Soul zuzulassen“. Steht so auf einer Stelltafel der „Oh Yeah! Popmusik in Deutschland“- Ausstellung im Berliner Museum für Kommunikation. Genial, dachte ich als ich das las, dann habe ich ja meinen Drehort für einen Beitrag über Schlager gefunden.

Alles was noch fehlte waren Schallplatten. Wer hat heute noch Vinyl? Ich habe Nina Hagen und ich glaube, Pink Floyd. So genau weiß ich das nicht. Die zehn oder fünfzehn LPs, die ich jemals gekauft habe, ruhen schon lange in einer Kiste irgendwo auf dem Hängeboden. Als Requisite wären sie sowieso ungeeignet gewesen, denn ich brauchte Schlagerschallplatten – für den Dreh mit zwei Germanisten, die ich zu ihren Erkenntnissen über Schlagertexte befragen sollte.  Dumm nur: Die beiden holen sich die nötigen Songs via Streamingdienste aufs Ohr. Hallo, was sehe ich da?

Hier geht´s um Fernsehen. Schallplatten mussten her und zwar die krassen aus den 1960iger und 70iger Jahren – Peter Alexander, Mireille Mathieu, Roberto Blanco, Wencke Myhre, Udo Jürgens und und und. Schön bequem wäre ein Dreh bei einem Schallplattenhändler gewesen, der hätte auch einen Plattenspieler gehabt und mein Kameramann wäre glücklich gewesen. Der wollte nämlich unbedingt das Auflegen der Scheibe und die tanzende Nadel drehen. Aber nein, soweit sollte es nicht kommen. Denn alle, wirklich alle, die in Berlin mit alten Schallplatten Handel treiben, schreiben dick und fett auf ihre Webseiten: Wir kaufen alles, nur keinen Schlager. Pech für mich.

Schlagerplatten sind Gebrauchsgüter, erfuhr ich im Lauf der Recherche. In zigfacher Ausspielung auf den Markt geworfen, haben sie keinerlei Sammlerwert. Hmm, brummelte ich an meinem Schreibtisch, so schnell gebe ich nicht auf. Als meine eigene Requisiteurin brauche ich gute Ideen und noch bessere Connections.

Also fragte ich Katharina Göbel, Sängerin der Glamrockband „Die Gabys“, die unter anderem die schrillen 60iger im Repertoire haben. Und die fragte Iris Wehner, geniale Tastenkünstlerin der „Babes on Orgel“, ebenfalls mit Neuinterpretationen schräger Musik unterwegs. Bingo. Ich durfte in ihrer Musikschule vorbeikommen und mir die passenden Scheiben raussuchen. Dreh gerettet.

“Sonntags – TV fürs Leben”,  29.4.2018, 9 Uhr, ZDF

„Warum funktioniert der Schlager so gut?“ in der ZDF-Mediathek.
Ab Minute 18:01.