Gespräch an einem Tisch. Zwei junge Frauen streiten, eine dritte hört aufmerksam zu

Streit ums Erbe

Es gibt Geschichten, die machen es nicht ins Fernsehen und zwar aus einem einzigen Grund: sie sind den Beteiligten schlicht zu peinlich. Dass wir dennoch Berichte über entsetzliche Krankheiten, unerträgliche Schicksalsschläge oder politische Geheimbündeleien zu sehen kriegen, liegt an der Beharrlichkeit von uns TV-Autor*innen. Wir finden die Menschen, die ihre Erlebnisse vor der Kamera erzählen. Mit viel Gefühl.

Woran wir uns aber die Zähne ausbeißen ist das Thema „Streit unter Erben“. Wenn nach dem Tod des Erblassers die Emotionen hoch kochen, will weder die eine noch die andere Seite vor die Kamera. Ist der Streit endlich beigelegt, mag auch keiner mehr über den Ärger reden. Ein auf Erbrecht spezialisierter Anwalt wies mich prompt am Telefon mit der Bemerkung ab, er hätte zig Anfragen von Journalisten jede Woche. Aber er rücke seine Fälle niemals raus.

In einer Sendung übers Erben wollen die Zuschauenden erleben, wie die verstrittenen Angehörigen eines Verstorbenen zur Raison kommen. Eine Erbschafts-Mediation kann Wunder wirken.Das ZDF bat mich also, die Arbeit einer Mediatorin vorzustellen. Nur, was tun ohne echten Fall?

Ich beriet mich mit der Berliner Rechtsanwältin und Notarin Jutta Hohmann, eine Pionierin der Mediation – und schrieb ein Drehbuch. Dann habe ich mir Darstellerinnen gesucht, die streitende Schwestern spielen sollten. Anna Maria Sosnik, eine junge Schauspielerin, und Anna-Sophie Daiber, die noch nie vor einer Kamera gestanden hat.

Sie bekamen von mir Persönlichkeitsprofile anstelle fertiger Dialoge. Damit sollten sie improvisieren. Wie Streiten geht, dafür benötigten sie keine Regieanweisung. Das hatten sie, wie wir alle, im Repertoire.

Mein Kalkül ging auf. Kaum war die Kamera an, ging die Post ab. Hemmungslos, ausfallend, verzweifelt. Genial.

 “Sonntags – TV fürs Leben”, 17.1.2016, 9 Uhr, ZDF

ZDF-Mediathek: Der Beitrag ist nicht mehr online.