Christine Olderdissen

Christine Olderdissen JournalistinFernsehautorin und –produzentin

Meine Arbeit als Journalistin, meine Beiträge für Magazine im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, meine Beobachtungen am Rande –

über all das plaudere ich
hier in meinem Blog.

* wer ich bin: einfach mal stöbern
* was ich kann: einfach mal fernsehen
* was mich beschäftigt: einfach mal weiterlesen

Willkommen zum Plausch.

Unterleuten: Juli Zeh und die Landlust

Juli Zeh läuft an einem Hühnerstall vorbei„Nenn mir drei Prominente, die lieber auf dem Land als in der Stadt leben.“ Die Aufgabe, die mir mein ZDF-Redakteur stellte, war schnell bewältigt: in Berlin, wo so gerne Kreative wohnen – und manch einer prominent – liebäugeln viele mit dem Landleben, vor allem die, die das Clubgänger-Alter bereits hinter sich haben. Drei Promis konnte ich ihm auf Anhieb nennen: Nadeshda Brennicke, Schauspielerin mit Pferdehof im Oderbruch, und die Schriftstellerinnen Karen Duve und Juli Zeh, beide mit dörflichen Wohnsitzen in Brandenburg. Alle drei hätte ich gern kennengelernt, die Wahl fiel auf Juli Zeh. Ihr Buch „Unterleuten“ findet gerade sehr viel Beachtung und es passte perfekt zum „Landlust“-Thema der Sendung.    Weiterlesen

25 Jahre Suppenküche Pankow

Dreh in der Sozialberatung der Suppenküche, mit Petra Rothe

Mit einem Teller Suppe ist es nicht getan. Wer den Weg in Petra Rothes sonnendurchflutes Zimmerchen findet, der findet auch aus dem Schlamassel seines Lebens wieder heraus. Bei der Sozialarbeiterin der Suppenküche Pankow ist jeder willkommen.

Ob arm, psychisch krank, verwahrlost, obdachlos oder sonstwie gestrauchelt – die Frau mit dem offenen Lachen sieht immer genau hin, wer da vor ihr sitzt. Jeder Mensch hat seine Geschichte, sagt sie. Seine Würde verliert er nie:

„Man darf nicht vergessen, wir sind hier bei den Franziskanern. Wir nehmen alle Menschen so an, wie sie denn da so kommen. Wir geben keine Wertung ab. Für uns ist keiner schlechter oder besser, nur weil der eine trinkt und der andere Drogen nimmt. Für uns darf er hier Mensch sein.“

Seit 25 Jahren gibt es die Suppenküche Pankow, seit 15 Jahren ist Petra Rothe mit dabei. Sozialarbeit ohne Missionsdrang – darum geht es ihr. Jeder hat das Recht, so zu leben, wie er will. Retten will sie keinen, aber jedem Hilfe leisten, der danach fragt. Sie regelt Rentenansprüche, hilft beim Antrag auf einen Personalausweis, organisiert eine Unterkunft, und manchmal hat sie auch einfach nur ein offenes Ohr.

So kam ich dazu, die Geschichte von Lutz Baumann zu erzählen. Einer der sich in seiner größten Krise in der Gesellschaft obdachloser Säufer wieder fand. Der Ausstieg ist ihm gelungen. Und er ist einer der wenigen ehemals Obdachlosen, der darüber sprechen mag.

“Sonntags – TV fürs Leben”, 10.4.2016, 9 Uhr, ZDF

ZDF-Mediathek: Die Sendung ist ab Sonntag online.

Wenn das Gehirn das Denken aufgibt

Buchautor Andreas Wenderoth betrachtet vor laufender Kamera ein Foto seines Vater am Rechner

Bücher über die Demenz der Eltern sind schon fast zum eigenen Literatur-Genre geworden. Nun hat auch der Journalist Andreas Wenderoth ein Buch über seinen dementen Vater geschrieben: „Ein halber Held – Mein Vater und das Vergessen“.

Kann man das? Darf man das? Der Vater kann sich schließlich nicht mehr wehren. Der österreichische Schriftsteller Arno Geiger mußte sich von seinen Rezensenten den Vorwurf gefallen lassen, er schlachte das Schicksal seines Vaters aus. Und doch feierte er große Erfolge mit „Der alte König in seinem Exil“. Denn er beschreibt den Vater in einer berührend zärtlichen, poetischen Art. Das war neu, 2010.

Andreas Wenderoth ist ebenfalls vom überraschenden Wortwitz seines dementen Vaters fasziniert. Horst Wenderoth war als langjähriger Rias-Redakteur ein Mann der Worte. Immer wieder verwickelt ihn der Sohn in Gespräche mit eigentümlichen Wendungen und protokolliert sie für sein Buch:

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Streit ums Erbe

Geschichten gibt’s, die machen es nicht ins Fernsehen, weil sie den Protagonisten schlicht zu peinlich sind. Entsetzliche Krankheiten, unerträgliche Schicksalsschläge, politische Geheimbündeleien  – dafür finden sich immer echte Menschen, die ihre Erlebnisse vor der Kamera erzählen. Mit viel Gefühl.

Was dagegen gar nicht geht, ist der Streit unter Erben. Wenn nach dem Tod des Erblassers die Emotionen hochschlagen, kriegt man kaum beide Seiten vor die Kamera. Ist der Streit endlich beigelegt, will auch keiner mehr darüber reden, was da so wahnsinnig ärgerlich gewesen ist.

Zwei Frauen streiten am Tisch der Mediatorin Jutta Hohmann

In einer Sendung übers Erben ist es allerdings sinnvoll zu zeigen, wie die verstrittenen Angehörigen eines Verstorbenen zur Raison kommen: Eine Mediation kann Wunder wirken. Das ZDF bat mich also, die Arbeit einer Mediatorin vorzustellen. Nur, was tun ohne echten Fall?    Weiterlesen

Domvogt kopflos

Dreh im Glockenturm des Braunschweiger Doms. Der Domvogt steht in der 500 Jahre alten Glocke, scheinbar kopflos. Glocke verschwunden.Bei unseren Drehs kommt es oft zu witzigen Situationen. Mit dem Smartphone mache ich dann zack, zack ein schickes Foto. Früher habe ich an so etwas gar nicht gedacht.

Zum Beispiel als ich vor Jahren im Thüringer Wald flach auf dem Bauch liegend ein Interview geführt habe. Also, damit das klar ist, ich lag schräg auf einem kleinen Abhang, weil ich nur so auf Augenhöhe mit der Kamera war. Vor der Linse: ein toter Hase auf dem mit Tannennadeln bedeckten Boden, dahinter der Jäger.

Oder als wir in Berlin-Mitte ein Trüppchen Diplomatengattinnen beim Sightseeing-Joggen begleitet haben. Der Kameramann sass in einer Fahrradrikscha und wurde gefahren. Ich strampelte auf meinem Fahrrad nebenher. Foto? Fehlanzeige.

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Auch so geht Flucht

Frau sitzt am Ufer der Spree und schaut Ausflugsbooten zuEin sonniger Oktobertag in Berlin. Unweit des Bundeskanzleramts sitzt eine Frau am Ufer der Spree und schaut auf die Ausflugsboote. Die gutgelaunten Passagiere winken uns, dem Drehteam, fröhlich zu. Irgendwie merkwürdig, diese Welt, denke ich. Zur gleichen Zeit sind Boote mit Flüchtlingen auf einer hochriskanten Reise übers Mittelmeer. Und hier sitzt Rayan aus Damaskus im Frieden und wir machen einen kleinen Film über sie.   Weiterlesen

SeptemberFoto

Marathon-Musik

Mit Flüchtlingen in einem Boot

Ein letztes Urlaubsfoto vor der Riesenfähre, die uns von Patmos nach Piräus bringen wird. Als ich auf den Auslöser drücke, ahne ich es nicht, aber die Aufnahme zeigt bereits, was mich schlagartig aus dem wohligen Gefühl von Sommer, Sonne, Strandurlaub in die Realität des Lebens zurückholt: Sie stehen oben an der Reeling, im Gegenlicht. In kichernder Ferienlaune klettern wir im Bauch des Schiffes hoch bis aufs Deck. Da sind sie plötzlich – 200 bis 300 Flüchtlinge. Sie kommen von Samos und wollen nach Athen und weiter. Genau wie wir.

Urlauber warten vor Piräusfähre. Auf der Reeling stehen Flüchtlinge. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es trifft mich wie der Schlag. Ich hatte einfach nicht nachgedacht, dass ein Fluchtweg eben auch eine stinknormale Piräusfähre sein kann, die Reisende von den Inseln der Ägäis nach Athen bringt. Wer ein Ticket zahlen kann, kommt damit weiter.          Weiterlesen

Polizei-Reiterstaffel: Die Ruhe selbst

Zwei Pferde Schnauze an Schnauze vor laufender Kamera

Mit Pferden hab ich es ja nicht so. Trotzdem war es ein toller Tag, als ich einen Bericht über die Polizeistaffel der Bundespolizei drehen durfte. Deren Pferde sind zur Gelassenheit erzogene Arbeitstiere, keine hypernervösen Hochzüchtungen. Mit Trommeln und Trompeten, mit knisterndem Plastikflaschenmüll, irritierenden Tennisbällen und rauchenden Strohballen gehen die Reitlehrer beim Training auf die Pferde los, damit sie im Einsatz die Ruhe selbst bleiben.

Reiterstaffel Bundespolizei

Championsleague, Castortransporte – wenn die Polizeipferde kommen, werden Fußballrowdys und Demonstranten handzahm, erzählt mir Polizeireiterin Nadine Steputtis im Interview. Die einen hätten mächtig Respekt vor den großen Tieren, die anderen beruhige ihre Tierliebe. „Die wollen am liebsten die schönen Pferde tätscheln“, berichtet sie. Was sie mitten im Trubel einer aufgebrachten Menschenmenge dann oft hört, bringt die Polizistin selbst zum Grinsen. Denn selbsternannte  Pferdeflüsterer raunen den Tieren ins Ohr: „Du kannst ja nichts dafür, wer da oben auf dir sitzt“.

“Sonntags – TV fürs Leben”, 2.8.2015, 9 Uhr, ZDF

ZDF-Mediathek: Suchen Sie unter dem Stichwort „sonntags“ die Sendung

Murks? Nein danke!

Ein Handmixer, ein Radiorekorder und ein Pürierstab waren die heimlichen Helden bei meinem Dreh mit dem Gründer der Kampagne „Murks? Nein-Danke!“, Stefan Schridde. Der Auftrag kam ganz plötzlich an einem Freitagmittag, Schridde hatte nur am Montag Zeit fürs ZDF. Drehorga zu einem Zeitpunkt, wo andere bereits die Rechner wegen des Wochenendes runterfahren, da gehst du als Reporterin in die Knie. Zum Glück hatte ich die nötigen Requisiten nichtsahnend gehortet.

Eine Kiste voller ElektroschrottSeit Jahren stapelt sich bei mir Elektroschrott, den ich nicht so einfach in die Tonne kloppen möchte. Schon lange suche ich einen Bastler, der etwas damit anfangen kann, oder eine Möglichkeit der Reparatur. Der geniale Elektroladen an der nächsten Ecke, der mir mal für 2,50 € einen Fön gerettet hat, den gibt es nicht mehr. Seither bin ich bei solchen Kleinreparaturen verloren. Weiterlesen

Die Klugheit der Kinder

Sind Kinder klug, vielleicht sogar weise? Diese Themenstellung bereitete mir Kopfzerbrechen. Ähnlich wie diese Affenskulpturen mit einem menschlichen Totenschädel in der Hand. Sie verkörpern Darwins Frage: „Was hat der Mensch vom Affen“. Zu seiner Zeit eine ungeheuerliche Provokation.

Darwins Affenbande

Was ist also dran an der angeblichen Weisheit der Kinder? Ich machte eine Umfrage unter allen Menschen, die mir während der Zeit der Recherche begegneten.   Weiterlesen

Autonomes Autofahren oder die Angst vorm Loslassen

Die Hände vom Steuer nehmen, bei 160, 180 km/h – was für eine grauenhafte Vorstellung. 59 Prozent der deutschen Autofahrer finden das beängstigend. Ich auch. Aber das Loslassen soll die Mobilität der Zukunft sein. Die Automobilindustrie arbeitet mit Hochdruck am „autonomen Autofahren“. Protoypen, die ohne menschliches Zutun auf der Autobahn fahren, sind bereits am Start.

Bei der International Consumer Electronics Show in diesem Januar war das die Breaking News: 900 km fuhr ein führerloser Audi A7 vom Silicon Valley bis nach Las Vegas, direkt zur Fachmesse für Unterhaltungselektronik. Straight ahead auf der Interstate 5: die weltweit erste Fahrt auf einer öffentlichen Straße mit Autopilot und Journalisten als Testfahrer.

Ich sollte auch mit so einem Auto fahren. Weiterlesen

Storyboard – großartiger Helfer

Hitchcock hatte welche, alle Werbefilmer nutzen sie und ich mach das jetzt auch so: Drehen mit dem Storyboard. Vor meinem geistigen Auge gehe ich sowieso immer Szene für Szene bei der Planung des Beitrags durch. Aber Einstellung für Einstellung aufmalen, das ist neu.

Bartdreh Chef

Klarer Vorteil: mit einem Storyboard kann ich mich meinem Kamerateam mitteilen. Die Regisseurin des Abba-Films „Mama Mia“ hatte jede einzelne Szene mit Massen von Tänzerinnen und Tänzern vorher gezeichnet. Große, bunte Bilder: Wow, so geht das also.

Im Alltag meines Fernsehgeschäftes ist anderes gefragt.      Weiterlesen

Schlagerstar auf dem Sprung

In ihrer Stimme ein Strahlen, im Gesicht ein bißchen Romy Schneider, im Herzen Udo Jürgens: Saskia Leppin hat das Zeug zum Schlagerstar. Alles was noch fehlt, ist das Quentchen Glück, der Zufall, der die Karriere in den Orbit schießt.

Saskia Leppin singt, begleitet von einer Gesangslehrerin am KlavierWer Castingshows à la DSDS schaut, kommt auf die irrige Idee, allein mit Talent und ein bißchen Trällern stellt sich der Erfolg schon ein. Bei „The Voice Kids“ ist die Botschaft der Coaches für die Kinder mit den schönen Stimmen deutlicher: „Geh noch mal heim und üb, dann kommste nächstes Jahr wieder“.

Saskia Leppin ist den professionellen Weg gegangen. Mit 17 Jahren hat sie eine  Ausbildung zur Musicaldarstellerin an der Hamburger Stage School begonnen. Singen, Tanzen, Schauspielen: Was 250 junge Frauen und Männer da in drei Jahren lernen, hat sie mir beim ZDF-Dreh gezeigt. Nur mit solch einem Gesamtpaket kann eine Helene Fischer, eine Beyoncé und vielleicht auch bald Saski Leppin die Bühne rocken.

„Sonntags – TV fürs Leben”, 15.3.2015, 9 Uhr, ZDF

ZDF-Mediathek: Nach der Sendung folgt hier der Link

Hund und Katze

Fernsehjournalisten sind Menschenfischer. Um Protagonisten zu finden, deren Geschichte wir im Fernsehen erzählen können, müssen wir oft im Trüben fischen. Manchmal ist der Ozean aber auch sehr tief und weit.

Drehsituation: Frau geht mit Hund spazieren

So wie bei diesem ZDF-Beitrag um Hund und Katze. Die Aufgabe lautete: portraitiere einen Menschen, der die Einsamkeit des Alters mit seinem Haustier meistert. Davon gibt es so viele, dass sie schwer zu finden sind. Sollte ich jemand beim Gassigehen ansprechen? Beim Hundeauslauf im Park? Beim Hundesport? Tierärzte anrufen? Oder im Tierfutterladen anquatschen? „Guten Tag – Sind Sie zufällig einsam?“ Schwierig, schwierig. Ich tat, was wir alle in so einem Fall tun – Ich fragte im weiteren Bekanntenkreis herum, hemmungslos. Denn, die Erfahrung habe ich auch gemacht: Kaum erzähle ich bei einer privaten Gelegenheit von einem mühsam recherchierten Beitrag, sagt immer einer: „Warum hast Du mich nicht gefragt, ich hätte da jemand für Dich gehabt.“   Weiterlesen