altdeutsch? biodeutsch? neudeutsch?

Altdeutsch? Klingt nach Eiche rustikal. Das war gestern. Heute steht “altdeutsch” für Menschen in Deutschland, die keine Migranten sind. Also  ich, aber Du vielleicht nicht. Ich habe meine Wurzeln väterlicherseits in Westfalen,  mütterlicherseits in Berlin, mit einem aus Schlesien zugewanderten Großvater, vermutlich “biodeutsch”. Auch so ein neues Wort, das mich stutzen läßt. Übrigens kein Soziologendeutsch. Gehört habe ich es das erste Mal von migrantischen Kids, alles gebürtige Berliner, aber mit Eltern, die aus dem Libanon eingewandert sind, oder mit Großeltern von der Schwarzmeerküste. Die wehren sich gegen “Migrant” und “Migrationshintergrund”. Dabei brauchen wir Wörter um zu beschreiben, dass 43 % aller Berliner und Berlinerinnen unter     18 Jahren  mindestens einen Elternteil haben, der zugewandert ist, oder der selbst von Zuwanderern abstammt. Korrekterweise nicht nur aus der Türkei oder aus arabischen oder asiatischen Ländern. Die mit einer französischen maman, einem US-amerikanischen dad oder …

einer argentinischen mamá, die zählen nach der Definition auch dazu. Aber als Migrant sehen die sich nicht, wer tut das schon? Migrant, das Wort wird eigentlich nur für dunkelhaarige, dunkelhäutige Zuwanderer und ihre Kinder und Kindeskinder genommen, meist auch muslimisch. Es klingt negativ. Wie wäre es mit “neudeutsch”? Irgendwie paßt das. Denn die Jugendlichen, die sind ja nicht migriert, die fahren höchstens mit der U-Bahn quer durch Berlin. An dieses Wort “neudeutsch” müssen wir Altdeutsche uns erst einmal gewöhnen. Genau wie an die  Tatsache, dass wir mittendrin sind, uns als Deutsche ganz anders aufzustellen.

Gestern habe ich an einem Diversity-Workshop für Autorinnen und Redakteure des rbb teilgenommen. Nun sammele ich Wörter: postmigrantisch – puh, intellektuel. Halb-Iranerin – und was ist mit der anderen Hälfte? Was gibt es noch?