Gewissensbisse beim Klamottenkauf

66 Prozent aller Deutschen wollen nicht mehr bei Textilketten kaufen, die ihre Ware unter menschenunwürdigen Bedingungen herstellen lassen, hat eine Umfrage des „Stern“ ergeben. Das durchzuhalten ist schwer, denn der Blick in die Etiketten verrät: „hergestellt in Bangladesh … Indien … Vietnam … Kambodscha … China.“ In den Billiglohnländern Asiens wird die Kleidung für Europa zusammengenäht – unter oftmals  menschenunwürdigen Bedingungen. Die Bilder kennen wir aus etlichen Fernsehdokumentationen, die zu später Stunde diejenigen Zuschauer erreichen, die sich für so etwas interessieren. Jetzt aber, nachdem in Bangladesh ein Gebäude voller Textilfabriken zusammengestürzt ist und dabei mehr als tausend Näherinnen unter sich begraben hat, weiß in Deutschland jeder, warum unsere Kleidung so billig ist: Weil arme Frauen in elendigen Buden für wenige Cent an den Nähmaschinen sitzen und nach der Arbeit zu ihren Familien in ebenso elendige Unterkünfte zurückkehren. Nun kommt beim Shopping das schlechte Gewissen.

Für das ZDF bin ich mit zwei jungen Mädchen und einer Mutter Klamotten kaufen gegangen. Ich sollte das Dilemma zeigen: Da hängen schöne Sachen im Laden, die sind attraktiv und bezahlbar. Der Gedanke an Ausbeutung allerdings stört den Kaufimpuls.

Dreh im Shopping Center

In die Shops großer Modeketten dürfen wir mit der Kamera nicht rein. In einer solchen PR-Krise wehren die Pressestellen jeden Dreh ab, niemand will Stellung beziehen. Doch der Imageschaden ist da, so oder so. Wir haben trotzdem gedreht, von außen, soweit es uns das Medienrecht erlaubt. Das reichte auch um zu beobachten, dass nach wie vor junge Kundinnen zum Billigst-Textil-Discounter hinrennen, wortwörtlich rennen. Das müssen die 34 Prozent aller Deutschen sein, die sich keinen Kopf machen. Denn soviele kaufen weiterhin bei Textilketten, die ihre Ware unter menschenunwürdigen Bedingungen herstellen.

„Sonntags – TV fürs Leben“, 25.5.2013, 9 Uhr, ZDF