Inselhüpfen reloaded

Zeitungsartikelsammeln ist für Journalistinnen und Journalisten eine schiere Notwendigkeit. Ob auf Papier oder digital, irgendwann muss aber dann doch mal ausgemistet werden. Dabei finden sich die schönsten Perlen wieder, Kleinode journalistischer Kunst, die, egal wie alt, Anregung zu Neuem geben. So fiel mir ein angegilbter Artikel über eine griechische Insel in die Hände. Prima für den Urlaub, ich suchte noch ein Reiseziel. Ein Geheimtipp sei das, schrieb der Autor.

Stühle aufgereiht an Dorfmauer

Dort fänden Reisende das urtümliche Griechenland mit seinem altem Flair, der auf vielen anderen Inseln unwiederbringlich verloren sei. Das schrieb er vor zwölf Jahren. Mir kam das alles sehr bekannt vor, von meiner eigenen Inselhüpferei zur gleichen Zeit. Also nichts wie hin, nachschauen was daraus geworden ist.

Kaum von der Fähre runter folgte ein böses Erwachen, alles futsch was der Kollege so anheimelnd beschrieben hatte. Meine eigene Erinnerung ließ mich komplett im Stich, sollte ich hier wirklich schon mal gewesen sein? Horden von Urlaubern überschwemmen heute die Insel, steigen in neugebauten Unterkünften ab, pendeln mit dem Inselbus zu entlegenen Stränden und drängeln sich abends auf der herausgeputzten Hauptstraße des Hafenortes. Alles ganz schön hier, aber urtümlich ist etwas anderes. Nur die griechische Sonne scheint wie eh und je auf das baumlose Inselchen in der Ägäis. Wir fuhren mit dem nächstbesten Schiff weiter – und fanden unser Paradies, fern der Touristenströme. Wo das liegt, sei nicht verraten.