Vielfalt ist unverzichtbar

Die bunte Wand war meine Rettung, oder besser, die Rettung für meinen Beitrag. Ich hatte den Auftrag, für eine ZDF-Sendung zu den Berufen der Zukunft einen Bericht über Chancen von Frauen im Feld der Künstlichen Intelligenz zu drehen. Nun, was gibt das für Bilder? Menschen, die auf Bildschirme starren, in wenig spektakulären Räumen. Startup klingt nach spacigem Loft. Doch in der finanziell klammen Startphase hocken die Teams eher in düsteren, mit wenig Aufwand umgebauten Fabriketagen, an die Stelle der früheren Werkbänke sind die Computerarbeitsplätze gerückt.

Die Buntheit dieses Beitrags kam dann vor allem durch die Ideen der Gründerin von Nyris, eine Firma, die visuelle Suchmaschinen entwickelt. Anna Lukasson-Herzig hat das Prinzip der Vielfalt zu ihrer Personalpolitik gemacht. Gemischte Teams sind die erfolgreicheren, das ist ihr Credo. 50 Prozent Männer, 50 Prozent Frauen sind ein Must Have, und damit nicht genug. Kulturelle Vielfalt ist unverzichtbar, Menschen aus aller Welt, entweder selbst Arbeitsmigranten oder mit einer familiären Wanderungsgeschichte, verschiedene Religionen inklusive. Nur an der Altersmischung hapert es bei Nyris noch, soweit ich das beobachtet habe, und es saß auch niemand im Rollstuhl, aber Behinderung ist nicht immer sichtbar.

Dieses Beharren auf Vielfalt im Team hat einen sehr guten Grund. Künstliche Intelligenz bedeutet lernende Systeme zu bauen. Dabei ist es entscheidend, was Menschen den Programmen mit auf den Weg geben. Werte, Erfahrungen, Vorurteile – all das sind menschliche Maßstäbe, die uns begleiten, die unser Verhalten bestimmen und die sich dann, so verrückt es klingen mag, in die Fragestellungen der Software einschleichen.

Anna Lukasson-Herzig:

„Wir als Gesellschaft müssen es zumindest versuchen, eine künstliche Intelligenz zu bauen, die frei von Vorurteilen ist. Und deswegen müssen wir alle, nicht nur Frauen sondern alle Minderheiten, die es da draußen gibt, daran beteiligen, daran zu arbeiten.“

Mehr dazu in meinem Beitrag über „KI und Frauen“

„Sonntags – TV fürs Leben“, 24.3.2019, 9 Uhr, ZDF

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