Zwei Männer und eine Frau stehen vor einem Geschäftshaus und strahlen in die Kamera

Glück auf ganzer Linie

Ihr strahlendes Lächeln sagt alles – Biniam Maekele, Rayan Mattamir und Muhammad Alhussein haben sich nach ihrer Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat ein neues Leben in Deutschland aufgebaut. Biniam, der Große links, legte einen weiten Weg von Eritrea über die Sahara, Libyen und das Mittelmeer zurück. Muhammad, der mit dem Bart, kam mit Eltern und jüngeren Geschwistern in einem LKW versteckt via Türkei aus einer kleinen Stadt im Norden Syriens. Beide Männer machen nun schon im zweiten Jahr eine Ausbildung beim Pharmazulieferer Sartorius.

Rayan, die Kleine in der Mitte, aber hat eine besondere Geschichte, denn sie kam mit dem Flugzeug und einem Visum zum Studieren aus Syrien. Im September 2015 habe ich schon einmal fürs ZDF über sie berichtet. Da lebte sie in einer WG in Berlin-Kreuzberg, ertrug tapfer ihre Verzweiflung, dass sie ihre beiden kleinen Töchter bei den Großeltern in Damaskus zurücklassen musste und half in der Essensausgabe einer Flüchtlingsunterkunft mit. Wie oft habe ich noch an sie gedacht. Immer wenn es in den Nachrichten um Familienzusammenführung ging, habe ich mich gefragt, ob sie wohl ihre Töchter inzwischen bei sich hat. Dann kam der Anruf von der Presseabteilung des Pharmakonzerns Sartorius – mit der Frage, ob ich noch einmal über Rayan Mattamir berichten wolle.

Zwei Jahre nach unserer ersten Begegnung hat die zielstrebige, immer nach vorn schauende Frau einen festen Job als Produktmanagerin und jettet für ihren Arbeitgeber um die Welt. Gerade erst war sie in Korea und Japan, in Kürze fliegt sie nach China. Schon in ihrer Heimat war die Pharmakologin für einen US-amerikanischen Konzern tätig gewesen, unternahm Dienstreisen in die Länder des Nahen Ostens. Mit dieser beruflichen Erfahrung ging sie im Herbst 2015 auf Sartorius zu, nicht ahnend, dass der Konzern gerade beschlossen hatte, Geflüchteten eine berufliche Perspektive bieten zu wollen. Rund 30 Frauen und Männer haben seither hier Arbeit oder Ausbildung gefunden, in der Produktion oder auch in der IT. Zum Jahresanfang 2018 haben 15 Neue ein Praktikum begonnen. Für sein anhaltendes Engagement wurde Sartorius im September 2017 mit dem niedersächsischen Integrationspreis ausgezeichnet.

Und die Kinder? An dem Tag, als Rayan ihre Stelle in Göttingen antrat, erhielt sie die Nachricht, dass sie die Mädchen zu sich holen könne. Für den glücklichen Moment des Wiedersehens in Beirut findet sie bis heute keine Worte. Aber ihre Geschichte passt in unsere Sendung zum Thema „Glück“.

“Sonntags – TV fürs Leben”,  7.1.2018, 9 Uhr, ZDF

„Glück gehabt“ in der ZDF-Mediathek.
Mein Beitrag ab Minute 10’53